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Wer ist Caroline Obrecht?
Wie hat sie angefangen zu tanzen? Eine lange Geschichte.
Wer sind ihre Lehrer?
Wie verläuft eine Tanzstunde bei Caroline Obrecht?
Wer ist Caroline Obrecht?
Caroline Obrecht ist hauptberuflich Sekundarlehrerin und unterrichtet Jugendliche in sprachlichen und kulturellen Fächern. Sie verfügt über Zusatzausbildungen in Theaterpädagogik und Tanzpädagogik. Seit 2002 wirkt sie im Projektteam "Tanzen in der Schule" der bernischen Lehrerinnen- und Lehrerfortbildung mit.
Die Menschen und die Kultur in Westafrika faszinieren sie schon viele Jahre. Mehrere Reisen haben ihr Leben um viele Erfahrungen bereichert. Die Beschäftigung mit afrikanischen Trommelrhythmen und Tänzen nehmen nach wie vor einen festen Platz in ihrem Alltag ein. Es ist fast unausweichlich, dass sie dabei auch ihren Mann kennen und lieben gelernt hat. François Bossy stammt aus dem Süden Senegals, aus der Casamance. Sein Volk der Diola kennt noch alle Traditionen und ist stolz darauf. In seinem Heimatdorf Djembéring gibt es nach wie vor kein fliessendes Wasser, keine Elektrizität und kein Telefon (siehe Tagebucheintrag).
Caroline Obrecht unterrichtet seit 1997 afrikanischen Tanz.
Caroline Obrecht
Wie hat sie angefangen zu tanzen?
Das ist eine lange Geschichte. Aber lange Geschichten haben in Afrika ja Tradition.
Ganz am Anfang stand ein molliges Mädchen, das keinen Funken Selbstvertrauen besass. Es hatte keine Freunde und traute sich auch nicht viel zu. Trotzdem nahm es eines Tages allen Mut zusammen und besuchte einen Gesellschafts-Tanzkurs. Erwartungsgemäss blieb es alleine in einer Ecke sitzen. Da wusste es jedoch noch nicht, dass dies sein Glück sein würde. Verantwortungsbewusste Tanzschullehrer halten für solche Fälle nämlich immer Aushilfstänzer bereit. Und diese Aushilfstänzer können bereits wunderbar gut tanzen. So wirbelte das unscheinbare Mädchen schon in der allerallerersten Tanzstunde mit glänzenden Augen und glühenden Wangen wild über das Parkett. Und damit begann ein neues Leben. Es fand einen neuen Zugang zu sich selber, und als es sich selber mochte, da mochten es auch die anderen. Es begann, jeden Abend zu üben. Es stürzte sich auf Walzer und Cha-Cha-Cha und legte sogar Prüfungen ab. Es drehte sich immer schneller und flog dann praktisch nur noch durch die Luft, als es anfing, Rock'n Roll zu trainieren, es schwitzte und keuchte... und war plötzlich nicht mehr ganz glücklich. Irgendetwas fehlte. Aber was?
Eines Abends sass das Mädchen, das jetzt eine Frau war, in einem dunklen Saal und starrte gebannt auf die Bühne. Trommelwirbel erfüllten den Raum und vibrierten in ihrem Brustkorb. Dort oben liess sich eine wunderschöne Tänzerin von den Klängen leiten. Manchmal sprang sie in die Luft, manchmal lief eine Welle durch ihren ganzen Körper. Aber immer waren ihre Bewegungen im Fluss, immer fand sie den Kontakt zum Boden wieder. Das war es! Das hatte gefehlt! Sie erkannte, dass es gar nicht zu ihrem schweren Körper passte, ständig abzuheben, die Erde kaum je zu berühren. Sie sah, dass sie ihre Energie verpuffte, statt dass sie sich beim Tanzen damit auflud. Die Frau beschloss, diese Klänge und diese Bewegungen zu lernen. So besuchte sie afrikanische Trommelkurse und Tanzkurse und sie fühlte sich von Anfang an so geborgen, als ob sie ihr ganzes Leben lang darauf gewartet hätte.
Wer sind ihre Lehrer?
Für Caroline Obrecht ist es ganz wichtig, dass sie nicht stehen bleibt, dass sie immer weiter dazu lernt. Deshalb reist sie bei jeder Gelegenheit dahin, wo sie gute Lehrer/innen findet. Das kann in Bern, Biel oder Zürich sein, oder auch am Bodensee, in der Toskana oder in Paris.
Begonnen hat sie mit Cornelia Kaiser, Casimir N'Zoulou, Regina Ribeiro, Pat Santschi. Dann kam eine intensive Zeit mit den Lehrern von SAF-SAP, Nago Koité und Isma Sène, ausserdem Caro Diallo, Maguette Bangoura, Ismaël Ivo, Awa Camara.
Im neuen Jahrtausend lässt sie sich vor allem von der Tanzschule Georges Momboye in Paris leiten, von Merlin Nyakam, Jaques Zambo und nicht zuletzt von Aïssata Kouyaté. Ausserdem möchte Caroline Obrecht die Rhythmen richtig verstehen, sie auch von der anderen Seite kennen, vom Trommeln her. Ihre Lehrer heissen Amadou Kouaté, Lamine Sow, Adama Dramé und Maré Sanogo.
Wie verläuft eine Tanzstunde bei Caroline Obrecht?
Der Kurs beginnt mit einem ausführlichen Warm-up. Die Teilnehmer/innen stehen im Kreis, damit sich die Energie in der Gruppe aufbauen kann. Die Musiker werden in diese Runde mit einbezogen. Meistens arbeitet Caroline Obrecht sich von den Füssen her bis zum Kopf durch den ganzen Körper durch. Im afrikanischen Tanz wird jede Muskelpartie des Körpers beansprucht. Deshalb muss das Aufwärmen auch ganz besonders sorgfältig erfolgen.
Danach werden Bewegungsabläufe und Schrittfolgen geübt. Manchmal sind dies traditionelle Tänze Westafrikas, besonders aus Senegal, Guinea-Konakry und der Elfenbeinküste. Diese Tänze haben immer einen Hintergrund. Jedes Ritual und jedes Fest hat seine eigene, genau festgelegte Musik und einen untrennbar damit verbundenen Tanz. Diesen Teil der afrikanischen Kultur weiterzugeben, soweit es ihr möglich ist, ist ein wichtiges Anliegen von Caroline Obrecht. Wenn immer vorhanden, baut sie deshalb auch die entsprechenden Gesänge in den Unterricht ein.
Oft vermittelt sie ihre eigenen Variationen und Abwandlungen von Choreografien, inspiriert von einem Rhythmus, einer Melodie oder einer Geschichte.
Die Tänzer/innen verlangen von ihrem Körper Ausdauer und Konzentration. Damit dies überhaupt möglich ist, braucht es einen weiteren körperbezogenen Teil: das Dehnen. Spannungen werden abgebaut und Muskeln wieder gelockert.
Spiegel sind im Kurslokal keine zu finden. Die Augen können bewirken, dass die Menschen nicht wirklich ihren Körper zu spüren versuchen. Am Schluss steht ein Ritual: die Tänzer/innen und die Musiker bedanken sich gegenseitig für das gute gemeinsame Erlebnis. Ab und zu sind die Musiker danach immer noch so voller Spielfreude, dass sie nicht aufhören mögen. Wer mag, tanzt dazu frei im Raum.
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Caroline Obrecht   Grauholzstrasse 31 3063 Ittigen Tel. 031 922 30 35