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| Vorab:
DEN afrikanischen Tanz gibt es gar nicht! Afrika ist ein unermesslich
grosser und vielfältiger Kontinent. In Europa wäre ein Spanier
zurecht empört, wenn man ihn mit einem Schweden verwechseln sollte.
So liegen auch in Afrika Welten zwischen den einzelnen Ethnien. |
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| Tagebucheintrag vom 12. April 2000, Djembéring, Senegal, Casamance) | |
| Schon
den ganzen Tag höre ich die Trommeln durch das Dorf rufen, aber ich
muss bis am Abend warten. Djafou und Messing, zwei Schwestern meines Mannes
nehmen mich mit. Keine von beiden spricht französisch, aber das Wesentliche
verstehen wir auch so. Das war ja gestern abend auch kein Problem. Ich
hatte auf dem Markt in Zuiguinchor einen wunderschönen Batikstoff
gekauft - leider war er noch voller Fäden. Zu dritt haben wir die
halbe Nacht lang zum Schein einer Petrol-Funzel an dem guten Stück
herumgefummelt. Ich war mit der Zeit so vertraut mit dem Klang des geschwisterlichen
Geplauders, dass ich sogar mitlachen musste, ohne ein Wort zu verstehen
natürlich. Und jetzt sind wir also unterwegs, sozusagen in den Ausgang. Meine Schwägerinnen haben ihre leuchtendsten Boubous angezogen und sich mit einer Menge goldfarbenem Schmuck behangen. Daneben sehe ich recht unscheinbar aus, aber ich falle ja auch so schon genug auf. Wie immer bricht die Nacht unvermittelt herein. Die Dämmerung dauert keine 10 Minuten, schon ist es stockdunkel im Dorf. Der sandige Weg zwischen den Hütten lässt sich nur erahnen. Entgegenkommende machen sich von weitem bemerkbar und nennen ihre Namen. Die Leute hier kommen gut ohne Elektrizität aus. |
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| Auch mit Plastiksandalen macht Tanzen Spass |
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| Wir
nähern uns, die Trommeln werden lauter, Djafou wird ganz kribbelig.
Die Aufregung der Menschen liegt fast greifbar in der Luft. Jetzt kann
ich noch ein weiteres Instrument hören... Ein Saxophon, kann das
sein? Ja, ich höre es deutlich! Jetzt sehe ich den Festplatz. Eine riesige Menschenmenge hat am Fusse des grossen Kapok-Baumes einen grossen Kreis gebildet. Immer wieder lösen sich Frauen oder Männer daraus und nähern sich durch das Zentrum den Musikern. Dort legen sie los mit ihrem Tanz. Ihr Solo wird von den umstehenden Frauen mit dem Geklapper ihrer Schlaghölzer angefeuert. Während die Tänzer/innen an ihren Platz zurückrennen, beruhigt sich die Musik wieder. Bei uns hätten die Trommler Mühe, Freiwillige zu finden, die sich im Kreis exponieren. Hier aber wollen alle zeigen, was sie können, es ist wie ein Wettstreit. Oft formieren sich ganze Frauengruppen. Mit einem würdevollen Tanzschritt überqueren sie langsam die ganze Fläche. Auch hier geht es ums "Sehen und gesehen Werden". Die Frauen setzen ihr Foulard, dass sie sonst auf dem Kopf tragen, als Mittel ein, um andere Frauen zum Tanzen zu bringen. Sie werfen es ihr zu und holen sie somit in den Kreis hinein. Natürlich macht es ihnen besonders Spass, die weisse Frau tanzen zu sehen. Viele wissen, wer ich bin, ich aber weiss schon gar nicht mehr, welche Frau mir welches Tuch zugeworfen hat. Ausserdem gibt es eine Art Ehrbezeigung zwischen Frauen. Sie breiten ihre Foulards auf dem Boden aus und fordern die ausgewählten Frauen auf, darüber zu tanzen. Nach zwei Stunden kann ich nicht mehr. Zum Glück gelte ich, die immerhin 30jährige, verheiratete Frau, hier als Respektsperson. Also fordere ich einen jungen Burschen auf, mir den Weg nach Hause zu zeigen - auf Djafou und Messing könnte ich nämlich noch lange warten. Die haben es nicht eilig, zu ihren Männern und den insgesamt 15 Kindern zurückzukehren... |
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| Noch
ein Tuch, über das ich tanzen soll |
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